Eine Urtinktur (lateinisch tinctura matris) ist ein flüssiger pflanzlicher Auszug, der nach standardisierten Vorgaben hergestellt wird. Sie ist die Ausgangsstufe vor jeder homöopathischen Verdünnung.
Wie wird eine Urtinktur hergestellt?
Die Herstellung erfolgt durch Mazeration (Einlegen in Lösungsmittel) oder Perkolation (Durchspülung), meist mit Ethanol verschiedener Konzentrationen. Das Mengenverhältnis von Ausgangspflanze zu Lösungsmittel wird durch das Homöopathische Arzneibuch (HAB) für jede Stammpflanze einzeln festgelegt.
Was bedeutet HAB-Konformität?
Eine HAB-konforme Urtinktur folgt den Vorgaben des Homöopathischen Arzneibuchs in Bezug auf:
- Ausgangsmaterial (Pflanzenteil, Erntezeit, Qualität)
- Lösungsmittel (Ethanol-Konzentration)
- Verhältnis Pflanze zu Lösungsmittel
- Verfahren (Mazerationsdauer, Filtration)
- Konzentration im Endprodukt
Für Strophanthus gilt die Vorschrift HAB 4a, entsprechend EAB 1.1.8 im Europäischen Arzneibuch.
Abgrenzung zu anderen Zubereitungen
- Homöopathische Verdünnungen (D4, D6, D12 …) – Verdünnungsstufen ab der Urtinktur. D4 = 1:10.000-Verdünnung.
- Vollspektrum-/Ultraschall-Extrakte – proprietäre Verfahren ohne HAB-Standardisierung. Zwischen Anbietern nicht vergleichbar.
- Mazerate, Tinkturen – verwandte, aber nicht HAB-genormte Zubereitungen aus dem allgemeinen Phytopharmazie-Bereich.
Warum ist HAB-Konformität wichtig?
Sie macht Urtinkturen zwischen Anbietern vergleichbar. Ein "Strophanthin Urtinktur 0,6 % nach HAB" eines seriösen Anbieters in Spanien sollte chemisch im Wesentlichen demselben Produkt eines deutschen Anbieters entsprechen. Bei proprietären Verfahren ist diese Vergleichbarkeit nicht gegeben.