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Die Entdeckung des Strophanthins – Sir Thomas Fraser und das afrikanische Pfeilgift

Stand: Juni 2026 · Fachlich geprüft von Maria Metis

Die wissenschaftliche Geschichte des Strophanthins beginnt nicht in einem europäischen Labor, sondern im Hochland Ostafrikas, mit einer ethnobotanischen Beobachtung: Pfeilgift.

Pfeilgift aus Strophanthus-Samen

In verschiedenen Regionen Afrikas wurden die Samen von Strophanthus-Arten traditionell als Pfeilgift zubereitet. Besonders gut dokumentiert ist die Verwendung von Strophanthus kombe im Gebiet des heutigen Mosambik, Malawi und Tansania. Jäger und Krieger zerrieben die Samen, mischten sie mit anderen pflanzlichen Bestandteilen und trugen die Paste auf Pfeilspitzen auf. Bei Wildtieren führte die Substanz innerhalb kurzer Zeit zum Herzstillstand.

Genau diese Beobachtung – ein Pflanzenstoff, der das Herz unmittelbar beeinflusst – machte Strophanthus für die europäische Medizin interessant.

David Livingstone und die ersten Berichte

Die Berichte über das "kombe-Gift" gelangten Mitte des 19. Jahrhunderts über britische Expeditionen nach Europa. Besonders der schottische Missionar und Forscher David Livingstone dokumentierte seine Beobachtungen detailliert. Auf seiner Sambesi-Expedition (1858–1864) begegnete er der Praxis mehrfach und schickte Pflanzenmaterial sowie Samenproben nach Großbritannien.

In den Sammlungen der Royal Botanic Gardens, Kew und am University College London wurden die Samen erstmals systematisch untersucht.

Sir Thomas Richard Fraser – die wissenschaftliche Isolation

Die entscheidende Arbeit leistete der schottische Pharmakologe Sir Thomas Richard Fraser (1841–1920) ab den frühen 1860er Jahren an der Universität Edinburgh. Fraser arbeitete systematisch:

  • Er extrahierte das wirksame Prinzip aus Strophanthus kombe-Samen
  • Er beschrieb die pharmakologische Wirkung am Herzmuskel
  • Er publizierte ab 1872 mehrere grundlegende Arbeiten über die Substanz
  • Er führte den Begriff "Strophanthin" in die wissenschaftliche Literatur ein

Fraser ist damit der wissenschaftliche Entdecker des Strophanthins. Seine Arbeiten gelten bis heute als Referenzpunkte in der Geschichte der Herzpharmakologie.

Die zweite Linie: gratus und Ouabain

Parallel zur Kombe-Forschung lief eine zweite Entdeckungslinie über Strophanthus gratus, das in West- und Zentralafrika beheimatet ist. Aus dieser Variante isolierten französische Pharmakologen den Wirkstoff unter dem westafrikanischen Namen Ouabain (auch Wabaïo) – heute synonym mit g-Strophanthin verwendet.

Die beiden Forschungslinien (britisch-kombe-orientiert vs. französisch-gratus-orientiert) prägten lange die unterschiedlichen Begriffstraditionen im englischen und deutschen Sprachraum.

Vom Pfeilgift zum Arzneimittel

Ende des 19. Jahrhunderts war klar, dass beide Strophanthus-Glykoside in präzise dosierten kleinen Mengen das menschliche Herz stärken können – statt es zu lähmen wie in toxischen Mengen. Diese Erkenntnis machte Strophanthin zu einem der wichtigsten Herzmedikamente, die ab Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland etabliert wurden.

Wie es danach zum Standard und schließlich zur Verdrängung kam, wird auf Verdrängung durch neuere Substanzen dargestellt.

Weiterführend

Maria Metis – Fachberatung

Maria Metis

Fachberatung Mikronährstoffe & Naturheilkunde

Seit mehreren Jahren in der fachlichen Betreuung von Strophanthus-Themen bei Pro Vita Aktiv International SL. Verantwortet die redaktionelle Linie von strophanthin.de.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beschreibt die historische und pharmakologische Entwicklung des Strophanthins. Er ist keine medizinische Empfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung.